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Haus im Bild

Der Jubiläums-Fotowettbewerb des HEV Baselland ist abgeschlossen. Folgende fünf Einsendungen wurden prämiert:

  1. Brod&Fein Bäckerei Stutz in Liestal (Einsender: Max Stutz-Dürrenberger)

  2. Bauernhaus Hauptstrasse in Bennwil (Einsender: Rita und Kurt Thommen-Ackermann)

  3. Bauernhaus im Oberdorf von Muttenz (Einsender: Erika und Ernst Stingelin-Hoch)

  4. Gebäude am Dorfplatz Allschwil (Einsender: Silvia und Karl Saner-Felippi)

  5. Wirtschaft zur Waage in Muttenz (Einsenderin: Ruth Auer Bielser)

Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden direkt benachrichtigt. Eine Auswahl aller Einsendungen findet sich nachfolgend und im Jubiläummagazin des HEV Baselland. Wir bedanken uns bei allen Hausbesitzerinnen und -besitzern für ihre Beteiligung und die spannenden Einsendungen!

Ein Haus mit Familienwappen

In der Laufner Altstadt gibt es ein einziges Haus mit einem Familienwappen. Es ist die Liegenschaft an der Hauptstrasse 40, die heute mit ihrer grünen Farbe und dem Wappen der Familie Spindler zwischen den beiden oberen Fensterreihen unverkennbar ist. Das Bild aus dem Jahr 1928 zeigt ganz rechts den Laden von Eugen und Emma Spindler-Ziegler, die sich dem Kleiderverkauf und einer Wäscherei widmeten. Nach einem Brand 1933 musste das Haus komplett neu gebaut werden und wurde in der Folge an die Gonzet AG vermietet. 

Von der Brod&Fein Bäckerei zum Coiffeursalon

Die heutige Liegenschaft an der Kanonengasse 5 (frühere Obere Schulgasse oder Hintere Gasse) in der Liestaler Altstadt war einst ein Backsteinbau, aus dem es jeden Morgen herrlich duftete. Am 13. Februar 1888 hatte Bäckermeister Eugen Stutz-Straumann die imposante Liegenschaft von der Vorgängerfamilie Kettiger, die ab 1826 ebenfalls im Bäckergewerbe tätig war, übernommen und dort seine Brod&Fein Bäckerei eingerichtet. Sein Sohn Eugen Stutz-Schäublin, «dr Stutzegeni», übernahm 1933 die Bäckerei seines Vaters, baute die Bäckerei um und stattete sie mit einer Zentralheizung und einem neuen ölbefeuerten Backofen aus. Er hatte drei Nachkommen, 1966 übernahm sein Sohn Max Stutz-Dürrenberger, Gemeindeschreiber, die Liegenschaft. In den Jahren 1967/68 wurde die Bäckerei aufgegeben und  umgebaut. Es entstanden ein Handwerker- und Bastlergeschäft und im Obergeschoss vier moderne Zweizimmerwohnungen. Heute gehört die Liegenschaft den Söhnen von Max und Elisabeth Stutz-Dürrenberger, Andreas und Rudolf. Sie haben, nachdem früher «Leupin Farben» und ein Damenmodegeschäft im Haus wirtschafteten, den Gewerberaum an das Coiffeurgeschäft Bigoudis vermietet. Im Nachlass der alten Bäckerei befindet sich noch eine Bäckerwaage mit der Jahrzahl 1852, mutmasslich aus dem Bestand von Adam Kettiger oder dessen Tochter Margrit Gysin-Kettiger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis zu ihrem 100. Geburtstag 1952 war die Waage noch in den Diensten der Bäckerei Stutz.

Drei Etagen Estrich in Bennwil

Dieses wunderschöne Bauernhaus am Dorfeingang der Hauptstrasse in Bennwil befindet sich seit mehreren Generationen im Besitz der Familie Thommen. Errichtet worden ist es im Jahr 1753 (belegt durch eine entsprechende Inschrift über dem Eingang) mit einem zweigeschossigen Wohnteil und drei Etagen Estrich, auf den früher das Korn verbracht worden war. 1780 entstand der Scheunenanbau mit imposantem Bogentor und einem rundbogigen Wagenschopf. Vor dem Haus steht noch ein typischer Baselbieter Brunnen aus Kalkstein. Früher wirtschafteten hier zwei Bauernfamilien, heute bewohnen Rita und Kurt Thommen-Ackermann das grosse Haus, eine Wohnung ist vermietet. Das Gebäude ist an einen Wärmeverbund der Gemeinde mit Pelletfeuerung angeschlossen und gehört zum kantonalen Inventar geschützter Kulturdenkmäler. Das macht den Unterhalt der Liegenschaft nicht immer einfach, was die Familie Thommen beim geplanten Einbau von Estrichfenstern oder der Fassadenerneuerung erfahren durfte. 

Die winterliche Zeichnung der Künstlerin Susanne Kuratli entstand 1993 und fand Eingang in einen Jahreskalender. Die Migros hat die Zeichnung aus Bennwil, von der die Thommens zunächst nichts mitbekommen hatten, auch als Neujahrskarte eingesetzt. Typisch für die Gemälde von Kuratli sind die Katzen, die sich durch die Bilder schleichen. Und speziell für das Bennwiler Bauernhaus sind ganz oben unter dem Dachgiebel eine Rondelle sowie drei Ofenkacheln, wobei eine noch das Basler Wappen zeigt.

Der «Cheesmeyer» steht seit 120 Jahren

So sah das erste Warenhaus im Kanton Basel-Landschaft aus – erbaut im Jahr 1901 als Wohn- und Geschäftshaus. Die Nachkommen von Joseph Meyer, der hier einen Krämerladen und eine Metzgerei betrieb, liessen die Basler Architekten Jules Ganser und Daniel Alfred Bernoulli dieses viergeschossige Gebäude im Jugendstil erbauen, etwas, das es damals im Baselbiet noch nicht gab. Eine Besonderheit war die doppelte Zugänglichkeit sowohl Richtung Bahnhof und Richtung Hauptstrasse. 1915 wurde der Komplex mit einem ebenfalls noch erhaltenen Gartenpavillon auf der Südseite des Gebäudes ergänzt. 

In Sissach, wo das markante Gebäude noch heute mitten im Zentrum der Begegnungszone an der Hauptstrasse 55 steht, ist das Gebäude in Erinnerung an seinen Gründer noch heute als «Cheesmeyer» bekannt. Noch heute werden aus dem alten Bestand des ehemaligen Bekleidungsgeschäfts leihweise Kostüme für Kinofilme abgegeben. Der «Cheesmeyer» als Geschäftsidee an sich ist Geschichte. Nachdem viele Jahre ein Sportgeschäft seine Waren feil geboten hatte, sind nun ein gemütliches Bistro (mit dem alten Namen Cheesmeyer), ein Antiquariat und diverse Kleinbetriebe im Haus beheimatet. Angrenzend wirtschaftet seit vielen Jahrzehnten das Restaurant Sternen. Das Gebäude befindet sich in der dritten Generation im Besitz der Familie des Sissacher Architekten Robert Häfelfinger. Regelmässig finden im Haus und in angrenzenden Gebäuden auch Kulturveranstaltungen statt, dazu stehen museale Räume zur Verfügung, die das Haus, den Künstler Tschems Häfelfinger oder in der Galerie «Alte Metzg» auch zeitgenössisches Kunstschaffen würdigen.

Die erste beheizte Badewanne

Der Ursprungsbau entstand im Zeitraum zwischen dem späteren 17. und dem 18. Jahrhundert. Es bestand aus einem Erdgeschoss mit Stube und Küche, das Schlafzimmer im Obergeschoss wurde über ein aussen angebaute Treppe erreicht. Es gab einen Ökonomieteil mit 56 Quadratmetern Fläche. 1863 bewohnten Hausvater Martin Häring und Hausmutter Barbara Huber mit sechs Kindern das Haus. 1910 kam Willi Salathe als Fünfjähriger mit seinen Eltern von Olsberg nach Giebenach, 1935 übernahm er als gelernter Maurer das Haus mit der Verpflichtung, seine Mutter auf Lebzeiten zu versorgen und baute 1936 Innentreppenhaus, Gang, Küchenbalkon, zwei Zimmer und ein Waschhaus im Erdgeschoss an. Im Obergeschoss entstand das erste Badezimmer mit Badewanne in der Gemeinde Giebenach. Zunächst wurde das Badwasser am Holzkochherd erwärmt und topfweise ins Badezimmer getragen, später installierte Salathe einen holzbeheizten Badeofen aus Kupfer, der das Wasser direkt in die Wanne leitete – ein Dorfereignis! 2012 erfolgte durch die Familie von Tochter Lilly und Schwiegersohn Georg Sprecher-Salathe der nächste grössere Umbau, der über die Jahrzehnte immer wieder modernisierten Liegenschaft. Neben der Zentralheizung blieben auch Holzfeuerstellen im Haus. In der Küche ist ein Tiba-Holzanstellherd mit der Chouscht im Wohnzimmer verbunden, damals einem Hochzeitsgeschenk für die Schwiegereltern. Im Erdgeschoss ist ein Kachelofen mit Doppelchouscht – Auf dem Estrich zeugen noch heute Spuren vom früheren Riegelbau und eine Räucherkammer, die manches Stück Speck veredelte, von der jahrhundertealten Geschichte dieses markanten Baselbieter Hauses. 

Das Augster Lehen und Gasthof Rössli

1540 wurde – direkt an der Ergolz in Augst – ein stattliches Gebäude errichtet und mit den übrigen obrigkeitlichen Gütern samt den Zolleinnahmen jeweils einem Basler Bürger zu Lehen übergeben. Mehrere „Lehenswirte“ besassen das „Gasthaus zum Rössli“, bis es schliesslich wieder an den Staat  Basel verkauft wurde. Seit dem Jahr 1803, als der Kanton Aargau der Eigenossenschaft beitrat, stellten die Zolleinnahmen wahrscheinlich eher eine Art „Brückengeld“ dar. Die einspurige Ergolzbrücke, die auf dem Bild noch ersichtlich ist, wurde nach dem Abbruch 1957 zwei Jahre später durch ein breiteres Bauwerk ersetzt. Rechts im Hintergrund ist die alte Eisenbahnbrücke (die Eisenkonstruktion wurde 1978 abgerissen und durch ein Betonbauwerk ersetzt) ersichtlich, wenige Meter dahinter mündet die Ergolz in den Rhein. Das Gasthaus „Rössli“ wurde von den Eltern des Einsenders Otto Feistle 1945 bis 1971 als Pächterehepaar geführt, die Postkarte mit dem vom Fotografen Jean Gabarell festgehaltenen Anblick konnte im Restaurant erworben werden. Gemeinsam mit seinem Bruder Roman und seiner Schwester Judith Feigenwinter-Feistle wuchs Otto Feistle junior im „Rössli“ auf, wo seine Eltern Anna und Otto Feistle-Schorta somit quasi den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit miterlebten. Seit einigen Jahren wird das Gebäude an der Ergolz nicht mehr als Gastwirtschaft, sondern als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. 

Als Allschwil einen Staatsvertrag unterschrieb

Dieses Doppelgebäude, heute an den Adressen Dorfplatz 4 und 5, geht auf das 17. Jahrhundert zurück. 1687 wurde ein Gesuch für den Bau und den Betrieb eines Gasthofs gestellt und bewilligt. Im linken Teil wurden die damals für einen Gasthof unerlässlichen Pferdestallungen untergebracht, rechts der Landgasthof «Zum roten Ochsen». In diesem wurde 1815 der Staatsvertrag unterzeichnet, der die Zugehörigkeit Allschwils zur Schweiz regelte. 1893 übernahm der Uhrmacher Peter Lötscher-Heinimann die Liegenschaft Dorfplatz 5 und richtete dort seine auf Kirchturmuhren spezialisierte Werkstatt ein. Er erhielt später auch örtliche Berühmtheit mit seiner «Lötscher-Muusig», einer bekannten Tanzkapelle. Der ehemalige Stall des Hotelbetriebs (Dorfplatz 4) wurde umfunktioniert und diente im Erdgeschoss dem Coiffeur Gross als Salon (Bild) und im oberen Stock einem Ehepaar bis ca. 2005 ein Ehepaar. Im Haus Nummer 5 wurde ein Merceriegeschäft und ein Konsumladen, das «Lötscher Marteli», betrieben.  1983 konnten die heutigen Besitzer, Silvia & Karl Saner-Felippi, die Liegenschaft nach zähen Verhandlungen von der Erbengemeinschaft Lötscher erwerben und im Jahr darauf umfassend renovieren. Das Ehepaar lebt selbst in der Wohnung im Obergeschoss, im Parterre sind das Audika Hörcenter und der Coiffure TonsurTon domiziliert. Seit 1985 ist die Liegenschaft im Inventar des Kantons Basel-Landschaft als denkmalgeschützte Liegenschaft eingetragen.

Von Z wie Zettlerei bis A wie Apotheke

1868 erfolgte an der damaligen Brunngasse die Grundsteinlegung zu diesem prachtvollen, im spätklassizistischen Stil erbauten Wohn- und Geschäftshaus. Bauherr ist Johann Jakob Handschin-Fiechter (1819-1890). Das Konzept mit einer markanten Eingangstreppe und Schaufenstern ist damals neu im Dorf Gelterkinden. Im zweiten Stock betreibt Handschin eine Zettlerei, einen Zulieferbetrieb für die damals im oberen Baselbiet dominante Seidenbandweberei. Diese wird bis in die 1920-er Jahre von Handschins Sohn Ernst weitergeführt. Unser Bild stammt aus dieser Zeit, ca. 1910. Im Erdgeschoss entsteht ein erfolgreicher Detailhandelsbetrieb mit einem breiten Warenmix, der später von Sohn Edmund Handschin übernommen wird. 1944 gründet der Arzt Guido Handschin-Keller (1898-1993) zusammen mit seinen Schwestern Rosalie und Charlotte die Apotheke und Drogerie Handschin. Diese nutzt dieselbe Räumlichkeit an der heutigen Rössligasse 5 (Parzelle 1011) bis zu ihrer Verlegung an die Poststrasse im Jahre 2010. An der Rössligasse ist heute ein Coiffeursalon untergebracht. «Die Liegenschaft ist historisch und für das Dorfbild von Gelterkinden sehr bedeutend», sagen die ehemaligen Apotheker Erika und Andreas Rüegg-Handschin, die diese schöne Aufnahme einschickten.
 

An der Muttenzer Waage fuhr keiner vorbei

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts plätscherte noch der Dorfbach durch die Muttenzer Hauptstrasse – und vor seinem Gebäude an der Hauptstrasse 22, das im 16. Jahrhundert seine erste Erwähnung erfuhr, richtete der damalige Besitzer Georg Pfirter-Hammel eine ganz besondere Sache ein, eine Brückenwaage für damals beachtliche 20 Tonnen. Der Hintergrund war simpel: die Nachfrage nach Bruchstein war in der rasch wachsenden Stadt Basel sehr gross geworden – und im Steinbruch am Muttenzer Sulzkopf gab es das gefragte Gut. Die Fuhrleute, die „Steibure“ genannt wurden, brachten das schwere Material auf robusten Brückenwagen ins Dorf, wo die Steine gewogen und die Preise für Material und die Fuhrleute bestimmt wurden. Mit diesen Muttenzer Steinen sollen etwa die Pauluskirche und Teile des Badischen Bahnhofs in Basel gebaut worden sein.
Auf der Fensterbank bei der Waage sollen immer ein paar gefüllte Schnapsgläser gestanden haben, auch Hafer für die Pferde war im Haus erhältlich. Und so funktioniere man schon damals als eine Art Wirtschaft. Als Rudolf Meyer-Gruber 1921 die Liegenschaft erwirbt, war der Name des nun eleganter benannten Hauses Programm: Restaurant zur Waage. Ein Kurzschluss führte 1944 zu einem Brand des Wohnhauses, das mit einem Stock mehr wieder in Stand gesetzt wurde. Und die alte Waage vor dem Haus wurde mit dem Aufkommen der Lastwagen durch eine neue mit 30 Tonnen Last ersetzt. Zu jener Zeit übernahmen Trudy und Willy Bringold-Meyer die Wirtschaft, die sehr beliebt wurde und für ihre grosse und währschafte Metzgete bekannt war. 1969 wurde die Landwirtschaft im Haus aufgegeben (in die Scheune zog vorübergehend der Musikverein und führte sie als Vereins- und Festlokal „Heubode“), 1979 verschwand auch die Waage vor dem Haus.
Ab 1982 wurde das Restaurant durch die Besitzerin Ruth Auer, der Tochter von Trudy und Willy Bringold-Meyer, vom alten Wohnhaus in einen Neubau verlegt, der anstelle der bisherigen Scheune entstand. Die neue „Wirtschaft zur Waage“ präsentierte sich mit neuem Pächter als Dorfwirtschaft im Parterre, Speiserestaurant im 1. Stock und Bankettkeller sowie einer schönen Sonnenterrasse vor dem Haus. Ende 2010 machten die Besitzer schlechte Erfahrungen mit einem Pächter, der alles ausräumte, 2013 übergab Ruth Auer Bielser die Liegenschaft an Gerold Bielser, der sie weiter verpachtete. In diesem Jahr übernimmt die Brüderli Gastronomie den Betrieb des Restaurants und schreibt ein neues Kapitel in der langen und bewegten Geschichte dieses Hauses, das schon fast ein halbes Jahrtausend auf dem Buckel hat.

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